„Antisemitische Stereotype“- Linkes Bündnis fordert Absage von Kollegahs München-Konzerts

Linkes Bündnis fordert Absage von Kollegahs Konzert

Das Linke Bündnis gegen Antisemitismus München (LBGA) fordert die Absage von Kollegahs Konzert im Zenith am 28. März. Der Rapper tritt inzwischen unter seinem bürgerlichen Namen Felix Blume auf und bewirbt sein aktuelles Album „Kanzler“. Das Bündnis begründet die Forderung mit antisemitischen Stereotypen und verschwörungsideologischen Anspielungen auf dem Release. In der Bewertung des LBGA sei „Kanzler“ ein „antisemitisches Gesamtkunstwerk“.

Im Fokus der Kritik steht der Song „Deutschland“, der Heinrich Heines Zeile „Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“ aufgreift und in einem Musikvideo mit Szenen jüngerer Gewalttaten kombiniert. Bei der Textzeile „Die Politiker kippen sich entspannt daheim Champagner rein und grinsen wie’n verdammtes Schwein“ ist vor dem Reichstagsgebäude eine Israelfahne zu sehen, was als Anspielung auf vermeintliche „jüdische Eliten“ gedeutet wird.

Weitere Anstoßpunkte sind Referenzen an Kanye West, die Zeile „Ich sagte ‚Free Palestine‘, bevor’s salonfähig war“ und Passagen, die als Verharmlosung von Wehrmacht und SS verstanden werden können. Zudem rappt Blume auf dem Album martialisch: „Wäre ich Kanzler, würde ich für Deutschland kämpfen bis aufs Blut.“

Reaktionen des Veranstalters

Veranstalter Street Life International teilt die Bewertung des LBGA nach eigenen Angaben nicht und plant derzeit keine Absage. Man habe das Management von Felix Blume mit den Vorwürfen konfrontiert; dieses wies sie zurück.

Die Debatte knüpft an frühere Kontroversen an. 2018 löste die Zeile von Farid Bang auf „JBG 3“ „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ massive Kritik aus; Kollegah entschuldigte sich später, verlor jedoch seinen Plattenvertrag. Sein damals veröffentlichter Track „Apokalypse“ mit Motiven einer globalen Elite wurde offline genommen; im Video erschien ein Antagonist mit Davidstern-Ring.

Aktuell sorgt auch die politische Rahmung für Aufmerksamkeit: Der AfD-Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah teilte den Song „Deutschland“, während Blume auf Social Media seinen Kanzler-Anspruch inszeniert. In München war 2019 bereits ein Auftritt aus ähnlichen Gründen abgesagt worden.