K.I.Z spielen auf der Anti-Wehrpflicht-Demo am Brandenburger Tor
Gratiskonzert gegen die Wehrpflicht
Vor dem Brandenburger Tor in Berlin haben am Freitagabend Tausende überwiegend junge Menschen gegen eine mögliche Wehrpflicht und die militärische Aufrüstung demonstriert. Aufgerufen hatte das Bündnis „Unzwingbar – kein Bock auf Krieg und Wehrpflicht“, getragen unter anderem von Attac, Medico international und der Initiative „Schulstreik gegen Wehrpflicht“. Laut Polizei waren in der Spitze rund 3.000 Teilnehmer vor Ort, die Veranstalter sprachen am Ende von 20.000. Angemeldet waren 30.000.
Dass so viele Jugendliche kamen, lag vor allem am Programm. Auf der Bühne standen Disarstar, Sechser und die Punkband Dritte Wahl. Dazu kam Satiriker Martin Sonneborn mit einer Rede an den Bundeskanzler: „Ich sage es deutlich: Merz leck Eier! Und von mir aus kann er persönlich an die Ostfront gehen“. Der Spruch ist in der Szene längst bekannt. Im März hatte schon Bausa „Merz leck Eier“ in seiner Instagram-Story aufgegriffen, kurz darauf disste auch Vita den Kanzler.
Hintergrund der Proteste ist das Gesetz über den neuen Wehrdienst, das im Januar in Kraft getreten ist. Junge Männer ab dem Jahrgang 2008 müssen seitdem zur Musterung. Werden nicht genug Freiwillige gefunden, kann der Bundestag über eine Wehrpflicht entscheiden.
„Wir sind hier auch aus Eigeninteresse“
Den Höhepunkt bildeten K.I.Z, die gegen 21 Uhr auf die Bühne kamen. Lange Reden wollte die Berliner Crew nicht halten, die Redner vor ihnen hätten das alles besser gesagt. Maxim stellte stattdessen klar: „Wir sind hier auch aus Eigeninteresse, muss ich ganz ehrlich sagen“. Und weiter, laut Tagesspiegel: „Wir wollen nicht, dass die Jugend verheizt wird. Wir wollen, dass die Jugend zu K.I.Z.-Konzerten kommt, und uns stinkreich macht“.
Danach sangen Tausende „Hurra die Welt geht unter“ mit. Vor der Bühne brannte Pyrotechnik. Als letzten Song kündigte die Crew „Ein Affe und ein Pferd“ an, passend zum Schulstreik ein schulkritischer Track. Gespielt werde er außerdem, damit sich die Bild-Zeitung am nächsten Tag mit ein paar Schimpfwörtern beschäftigen müsse statt mit den Inhalten der Veranstaltung. Eine Zugabe gab es danach nicht mehr.
Mit dem Auftritt von K.I.Z endete die Kundgebung, viele Besucher machten sich direkt auf den Heimweg. Einen Tag später, am Tag der Deutschen Einheit, zogen laut Polizei rund 5.800 Menschen bei einer weiteren Friedensdemo vom Brandenburger Tor durch Berlin-Mitte. K.I.Z sind für satirische und provokante Texte bekannt, und genau so klang auch ihre Ansage am Freitag. Selbst Bushido hat sich schon ausführlich über die Crew geäußert.
