„Was vielleicht besonders dumm war“ - Eko Fresh baute versteckte Spuren in Bushidos Texte
Insider in den Zeilen
Wer Ghostwriting nachweisen will, hat ein Problem: Es gibt selten Verträge und noch seltener Zeugen. In seinem Interview mit Rechtsanwalt Christian Solmecke erzählt Eko Fresh jetzt, dass er sich damals selbst eine Art Signatur in Bushidos Songs hinterlassen hat - teils aus Spaß, teils aus Übermut.
Manche Passagen seien bewusst so gebaut worden, dass sie auffallen. „da habe ich irgendwas auch reingebaut, was vielleicht besonders dumm war oder besonders blöd war“, sagt Eko über die Zusammenarbeit. Gemeint gewesen sei das als Insider zwischen ihm und seinem Produzenten Kingsize, mit dem er die Sessions bestritt. Bushido habe sich mit den Texten nach seiner Darstellung ohnehin nicht besonders tief beschäftigt und genommen, was da war.
Daneben stecken laut Eko unzählige persönliche Verweise in den Songs. „Und die ganzen Lieder sind voll mit References von mir“, sagt er und zählt auf: „Meine Lieblingsfilme, meine Lieblingskünstler.“ An vielen Stellen könne man hören, wie er sich selbst permanent Respekt zolle. Für ihn sind das Fingerabdrücke, die niemand sonst dort platziert haben könnte.
Die Demos soll es noch geben
Deutlich hellhöriger wird der Anwalt an einer anderen Stelle. Auf den fertigen Alben ist Ekos Stimme nicht zu hören, wohl aber auf den Vorlagen, die er für Bushido einrappt haben solle. Diese Aufnahmen existieren nach seiner Aussage bis heute: „die habe ich auch irgendwo“, sagt er, und ergänzt: „Ja, da ist auch Timecode und so theoretisch dabei“.
Genau das dürfte der juristisch interessanteste Punkt des gesamten Interviews sein. Denn wo bei Urheberstreitigkeiten sonst Aussage gegen Aussage steht, wären datierte Demos mit der Stimme des mutmaßlichen Autors ein handfestes Indiz. Solmecke greift den Hinweis im Gespräch sofort auf. Ob Eko das Material tatsächlich noch vollständig vorliegen hat, lässt er im Interview offen.
Eine weitere Spur sieht Eko im Sound selbst. „Das ist ja das Blueprint Album sozusagen“, sagt er über „Von der Skyline zum Bordstein zurück“ - jeder spätere Autor habe mit dieser Schablone weitergearbeitet. Selbst bei der Musik habe er zugearbeitet: „Wir haben die CDs gehört, die der uns gesagt hat“, um Samples vorauszuwählen. Bushido hatte zuvor bereits betont, dass jeder Künstler seine Texte selber schreiben können müsse.
