„Er hat es jedem erzählt, der zuhören wollte“ - Tupacs Mörder wurde von seinen eigenen Interviews überführt

Die eigenen Worte als Hauptbeweis

Der Schuldspruch gegen Duane „Keefe D“ Davis steht, doch der Prozess in Las Vegas drehte sich am Ende kaum um Spurensicherung oder Ballistik. Was den 63-Jährigen überführte, waren seine eigenen Aussagen: die Interviews, die er über Jahre hinweg gab, sein 2019 erschienenes Buch und die YouTube-Auftritte, in denen er mit Details aus der Mordnacht prahlte.

Chief Deputy District Attorney Binu Palal hielt der Jury im Schlussvortrag genau das vor. Seit fast 18 Jahren erzähle Davis jedem, der ihm zuhöre, dass er für den Tod von Tupac Shakur verantwortlich sei: „For nearly 18 years, Duane Davis has told the police, television, books, YouTube interviewers, anybody that will listen. He has told you he is responsible for the murder of Tupac Shakur.“

Staatsanwalt DiGiacomo wurde noch deutlicher und warf Davis vor, sich vor der Verantwortung für eine Tat drücken zu wollen, um die selbst er wisse: „Mr. Davis is attempting to escape responsibility for a crime everybody knows he committed, even him.“ Verteidiger Michael Sanft hielt dagegen, es gebe weder einen Zeugen noch einen physischen Beweis, der seinen Mandanten an den Tatort oder in das Fahrzeug setze, und stellte der Jury die Frage, was in diesem Fall Fakt und was Fiktion sei. Auch die Glaubwürdigkeit des Buches zog er in Zweifel: Sein Mandant habe den Text nie selbst verfasst oder genau geprüft. Dass Davis seine Geständnisse später widerrief und angab, mit Buch und Interviews lediglich Geld verdient zu haben, ist ein Muster, das er schon vor anderthalb Jahren öffentlich durchzog.

Keine drei Stunden für fast 30 Jahre

Für einen Fall, der 29 Jahre, 11 Monate und 19 Tage lang ungesühnt blieb, brauchten die Geschworenen erstaunlich wenig Zeit. Nach weniger als drei Stunden Beratung stand das Urteil fest: schuldig des Mordes ersten Grades unter Einsatz einer tödlichen Waffe. Bei diesem einen Anklagepunkt blieb es am Ende auch.

Den zusätzlich geplanten Gang-Zusatz ließ die Staatsanwaltschaft nämlich kurz vor Schluss fallen. Als Grund nannte sie Probleme mit einem Zeugen, denn ein ehemaliger Polizist, dessen Aussage nur zehn bis fünfzehn Minuten gedauert hätte, konnte nicht erscheinen. Richterin Carli Kierny setzte das Strafmaß daraufhin auf den 13. Oktober 2026 an. Davis droht lebenslange Haft, womöglich sogar ohne die Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung. Noch im Saal kündigte er an, in Revision zu gehen.

Die Reaktionen im Gerichtssaal fielen dabei bemerkenswert leise aus. Tupacs Schwester Sekyiwa „Set“ Shakur weinte still, nach der Verlesung umarmte sie die Staatsanwälte. Weitere Angehörige hielten sich an den Händen und fielen sich um den Hals, einer reckte die Faust in die Luft. Auf der anderen Seite des Saals schlug Davis‘ Sohn die Hand vors Gesicht. Alle Hintergründe zur Tat und zum Prozessverlauf findet ihr in unserem Bericht zum Schuldspruch.