„Das ist Algebra, Bruder“ - Manuellsen rechnet vor, was eine Million gekaufte Klicks kostet
Manuellsen über gekaufte Klicks
Die Debatte um Fake-Streams begleitet den Deutschrap seit Jahren, doch konkrete Zahlen nennt so gut wie niemand. In einem neu veröffentlichten Interview auf dem Stuttgarter YouTube-Kanal Tommy Unlocks wird Manuellsen jetzt genau an dieser Stelle deutlich. Anfang August hatte der Ruhrpott-Rapper bereits Mero gekaufte Klicks und Korruption bei Spotify vorgeworfen, damals allerdings ohne eine einzige Zahl zu nennen.
Aufhänger ist erneut ein deutschsprachiger Song, der es angeblich weltweit auf Platz sieben der Charts geschafft hat. Manuellsen zählt die internationalen Superstars auf, in deren Gesellschaft ein solcher Chart-Eintrag einen Rapper aus Rüsselsheim katapultieren würde, und hält das schlicht für ausgeschlossen. Den Künstler selbst nimmt er dabei ausdrücklich aus der Schusslinie.
Er sei fest davon überzeugt, dass der Rapper damals selbst keine Ahnung gehabt habe, was mit ihm geschehe, sagt Manuellsen. Seine Wut richtet sich an die Leute im Hintergrund, die die Maschine bedienen: „Was habt ihr gemacht?“ Wichtig ist ihm dabei die Klarstellung, dass er niemanden hate und auch nichts Vertrauliches ausplaudere: „Deswegen ich habe jetzt hier nichts aus dem Nähkästchen geplaudert.“
2.000 Euro für eine Million Klicks
Richtig konkret wird es, als der Gastgeber nachhakt, welcher finanzielle Aufwand hinter so einem Push überhaupt stecke. Manuellsen antwortet mit einer Faustformel, die er im Gespräch anschließend mehrfach durchrechnet: „Das ist Algebra, Bruder.“ Rund 2.000 Euro koste demnach eine Million Klicks.
Interessant wird diese Rechnung nach seiner Darstellung erst mit unversteuertem Geld. Man habe „einen Stapel von Schwarzgeld“ zu Hause liegen, beschreibt Manuellsen das Szenario, und investiere davon 6.000 Euro in Streams. Das ergebe rund drei Millionen Streams, und die Ausschüttung dafür liege bei etwa 11.000 Euro - diesmal sauber, versteuerbar und auf einem echten Konto.
Der Gastgeber zieht daraufhin selbst den Schluss, dass sich auf diesem Weg in großem Stil Geld waschen ließe, und Manuellsen stimmt ihm zu. Für ihn ist der reine Gewinn dabei fast nebensächlich. Wer einen Künstler mit solchen Zahlen bei einem Major vorstelle, verschaffe sich vor allem ein Standing, das über Vorschüsse in ganz anderen Dimensionen entscheide. Ehrliche Künstler mit echten Hörerzahlen seien gegen dieses System längst nicht mehr wettbewerbsfähig, so sein Fazit.
