„Ja, ich habe Angst um mein Leben“ – SPIEGEL TV veröffentlicht Capital Bras Polizeiakte

Gipfeltreffen im Ritz-Carlton

Nach der vielbeachteten Fler-Folge über das Berlinverbot der Hells Angels hat SPIEGEL TV den zweiten Teil von „Im Verhör: Gangsterrap und Großfamilien“ veröffentlicht. Diesmal steht Capital Bra im Mittelpunkt. Moderatorin Christina Pohl spricht erneut mit Spiegel-TV-Reporter Thomas Heise und dem ehemaligen Hells Angel Kassra Zargaran. Die Grundlage der Folge ist brisant: Spiegel TV liegt die Ermittlungsakte vor. Auf Seite 1 steht die Strafanzeige des Rappers wegen Schutzgelderpressung vom 29.10.2019. Das Video kommt nach wenigen Stunden bereits auf über 440.000 Aufrufe.

Laut Akte erfuhr Capital Bra über einen Freund, dass er auf einer Liste steht. Tschetschenische Männer sollen den Freund im Berliner Wedding mit dem Auto ausgebremst und nach dem Rapper gefragt haben. Sie hätten behauptet, von der Familie Miri zu kommen und noch Geld von ihm zu bekommen. Im Raum standen laut Doku Forderungen von 500.000 bis zu 5 Millionen Euro. Die Ermittlungen übernahm das für organisierte Kriminalität zuständige LKA 4. Auf die Frage, ob er der Familie Geld schulde, sagte Capital Bra in der Vernehmung: „Nein, ich schulde niemandem Geld.“ Ob er die Bedrohung ernst nehme: „Ja, ich habe Angst um mein Leben.“

Die Vorgeschichte schildert der Rapper in einer weiteren Vernehmung vom 30.10.2019. Er habe sich von seinem früheren Team getrennt, „Ich kam da nicht aus dem Vertrag raus“. Danach hätten plötzlich Leute aus Großfamilien mitbestimmen wollen. Hilfe habe er sich bei Albanern gesucht. Sein Fazit laut Protokoll: „Ich habe relativ schnell gemerkt, dass ich von der einen Scheiße in die andere geraten bin.“ Später kam es laut Akte zu einem Treffen im Berliner Ritz-Carlton, bei dem Vertreter der Remmos, mutmaßliche Miris und Tschetschenen zusammensaßen. Die Polizei dokumentierte das Treffen mit Fotos, auf denen unter anderem Issa Remmo und Ashraf Remmo zu sehen sein sollen. Ashraf Remmo war damals laut Doku Capital Bras Manager.

„Diese Leute würden wie Schatten sein“

Am 1.11.2019 besuchten drei LKA-Beamte Issa Remmo, der sie in seinen Garten bat und Kaffee anbot. Im Vermerk heißt es, er habe sichtlich um Fassung gerungen und davon gesprochen, dass das Problem sehr groß sei: „Er würde seit Tagen nicht schlafen können.“ Mit der Sache selbst habe er nichts zu tun. Über die Tschetschenen auf der Gegenseite sagte er laut Akte: „Diese Leute würden wie Schatten sein.“ Ashraf Remmo erschien mit seinem Anwalt zur Befragung und berief sich laut Doku auf sein Auskunftsverweigerungsrecht.

Zwei mutmaßlich beteiligte Brüder erhielten eine Gefährderansprache. Laut Akte gaben beide an, mit dem Künstler seit Jahren gut befreundet zu sein und keine Forderungen gegen ihn zu haben. In einer späteren Vernehmung lautete ihre Antwort auf die Frage, ob sie Capital Bra kennen, dann allerdings: „Nein, wer ist das?“ Ahmad Miri wies in einem Video jede Verwicklung zurück und erklärte, er habe Capital Bra nur zwei- oder dreimal getroffen.

Capital Bra selbst machte es den Ermittlern nicht leicht. Nach einem Instagram-Post gegen seine Gegner wurde er laut Akte telefonisch gewarnt: „Ihm wurde erneut geraten, derartige Veröffentlichungen zu unterlassen und die Situation nicht weiter zu eskalieren.“ Ab Mitte November war er für das LKA nicht mehr erreichbar, postete aber weiter auf Social Media. Anfang 2020 tauchte dann eine Story von einem Schießstand mit Ashraf Remmo auf. Ob das eine Warnung oder Imagepflege war, „kann von hier aus letztlich nicht geklärt werden“, notierte die Polizei. Wie das Verfahren endete, konnte Spiegel TV nicht klären. In der Runde heißt es, es sei wohl eingestellt worden. Capital Bra ließ einen Fragenkatalog unbeantwortet. Öffentlich hatte er damals erklärt, nicht unter Polizeischutz zu stehen. Zuletzt sorgte der Brandanschlag auf sein Grundstück für Schlagzeilen.