„Für Künstler meiner Größenordnung ist das System kollabiert“ – Prinz Pi erklärt, warum er mit Rap aufhören muss

Viele Hörer, wenig Geld

Nach mehr als 25 Jahren ist für Prinz Pi Schluss. Dass der Berliner seine Karriere beendet, hatte er bereits im Sommer offiziell bestätigt. Im Interview mit dem „Stern“ hat Friedrich Kautz, wie Prinz Pi bürgerlich heißt, jetzt sehr deutlich gemacht, woran es liegt: „Für Künstler meiner Größenordnung ist das System in der heutigen Musikindustrie kollabiert.“

Lust verloren habe er nicht, betont der 46-Jährige. Es sei schlicht eine finanzielle Notwendigkeit: „Als Vater und hauptsächlicher Ernährer kommt meine Familie an erster Stelle – wenn meine Beschäftigung nicht mehr genügend einbringt, muss ich wohl oder übel wechseln.“ Hörer hat Prinz Pi weiterhin genug, auf dem Konto kommt davon laut ihm aber kaum noch etwas an.

„Gute Chartplatzierungen und hohe monatliche Hörerzahlen bringen einem in der heutigen Streaming-Realität finanziell nicht mehr viel“, sagt er. Auch YouTube rette ihn nicht: „Um die Kosten für ein einzelnes Musikvideo hereinzuholen, brauche ich mehrere Millionen Klicks. Das schaffe ich nur ganz selten.“ Ähnlich ehrlich hatte zuletzt Sierra Kidd vorgerechnet, wie wenig Geld man heute mit Musik verdient.

Sechsstellige Verluste auf Tour

Früher konnte man fehlende Einnahmen aus Plattenverkäufen über Konzerte ausgleichen. Auch das funktioniert laut Prinz Pi nicht mehr, weil Personal, Logistik und Hallenmieten massiv teurer geworden sind: „Früher lag der Break-even einer Tour vielleicht bei 50 Prozent Auslastung. Heute schreiben wir erst ab 80 Prozent eine schwarze Null.“ Im Gespräch mit Hiphop.de wurde er noch drastischer: „der Verlust bei so einer Tour kann dann halt irgendwie ganz schnell irgendwie eine sechsstellige Summe sein, die dann halt irgendwie auch einem relativ erfolgreichen Künstler das Genick bricht.“

Dazu kommt, was TikTok und Reels aus der Musik gemacht haben. „Heute verlangt der Markt den Hook in den ersten zwei Sekunden eines Reels oder TikToks, sonst wird einfach weitergewischt“, sagt Prinz Pi. „Man produziert keine Alben mehr, sondern einen Batzen 15-Sekunden-Häppchen in der Hoffnung, dass eines davon viral geht.“ Für einen Album-Künstler wie ihn sei das keine Option: „Das kann ich nicht bedienen.“

Seine Abschiedstour spielt Prinz Pi in diesen Wochen, danach wird es unter dem Namen keine Konzerte und keine neuen Alben mehr geben. Stattdessen widmet er sich dem Schreinern, das er auf Instagram schon länger zeigt. Mit seinem Rückzug ist er nicht allein, auch Genetikk haben ihr Karriereende angekündigt.