„Es war mir ein großes Vergnügen, das zu schreiben“ - Eko Fresh über den Kay One-Diss

Leben und Tod des Kenneth Glöckler

„Leben und Tod des Kenneth Glöckler“ gilt bis heute als einer der bekanntesten Disstracks der deutschen Rapgeschichte. Elf Minuten lang rechnet Bushido darin mit Kay One ab. Dass die Lyrics des Songs zum allergrößten Teil von Eko Fresh stammen, dürfte inzwischen allgemein bekannt sein. Seinerzeit begannen Shindy und Bushido die Arbeiten am Song, nahmen jedoch Eko Fresh zuhilfe, als sie mit dem Zwischenergebnis nicht zufrieden gewesen sind.

In seinem aktuellen Interview mit Rechtsanwalt Christian Solmecke geht Eko Fresh nun näher auf den Entstehungsprozess des Songs ein und dreht auch die Vorgeschichte des Tracks ein wenig um: Die Wut in dem Song sei zu großen Teilen seine eigene gewesen, nicht die von Bushido.

Als er damals ins Studio kam, habe kaum etwas existiert. „Ich kam an und die hatten irgendwie acht Zeilen oder 12 Zeilen“, erinnert er sich. Dabei handelte es sich um den Acapella-Part, der am Anfang des Liedes zu hören ist. Von da an habe er die Regie übernommen. Weil die Sympathien in der Szene zu diesem Zeitpunkt eher bei Kay One lagen, habe er alle reinen Battle-Zeilen zur Seite gelegt und auf Storytelling umgestellt: „Du musst erstmal die Geschichte erzählen, damit du die Sympathie erstmal wieder auf deine Seite kriegst.“

Als Beleg führt er die berühmte Eröffnungszeile an, die Kay Ones Geburt in Ravensburg zum Ausgangspunkt nimmt. Eko rappt sie im Interview kurz vor und schreibt sie anschließend sich selbst zu: „Das ist mein Flow, so ne“, sagt er. Den Text habe er bis zu dem Punkt geschrieben, den er selbst miterlebt hatte, den Rest habe er sich von den Beteiligten erzählen lassen. Seine eigene Rechnung mit Kay One, der zuvor in seiner WG gewohnt hatte und nach Ekos Darstellung hinter seinem Rücken zu Bushido gewechselt sein soll, sei dabei voll eingeflossen: „Und ich habe das sehr persönlich genommen.“ Und weiter: „Es war mir ein großes Vergnügen, das zu schreiben.“

600 Euro

Solmecke konfrontiert ihn mit einer Behauptung, die Arafat Abou-Chaker Ende Juli in einem Podcast aufgestellt hat: Eko habe für den Disstrack zwischen 600 und 650 Euro bekommen. Eko widerspricht dieser Lesart. Für den Song selbst habe er nichts genommen, die Summe erklärt er sich anders: „Ich kann mir nur vorstellen, dass es sich um meine Reisekosten handelt, weil es hört sich an wie ein Hotel und ein Ticket so ungefähr in dem Dreh.“ Die Zahl kursiert schon länger - bereits 2022 hatte Eko die Vorwürfe von Arafat kommentiert.

Bushido hat mitgeschrieben

Seinen Anteil am Text beziffert Eko Fresh auf rund 70 Prozent, im Gegensatz zu den Songs, die er zu hundert Prozent geschrieben habe. Andere hätten mitgeholfen, Shindy sei dabei gewesen und ein sehr guter Reimefinder. Auch Bushido habe sich diesmal ungewöhnlich stark eingebracht: „Bushido war viel engagierter als er sonst war.“ Der Grund dafür sei klar gewesen: „Er wusste, dass es um seinen Arsch ging.“ Dass beim Diss mehrere Autoren im Spiel waren, wurde schon länger vermutet.

Heute sieht Eko den Track differenzierter. Er habe damals eine Wut rausgelassen, die tief saß, weil Kay One ihn in einer schwachen Phase abserviert habe. Trotzdem sagt er: „Es tut mir jetzt auch irgendwo leid.“ Es seien „viele Lines, die nicht in Ordnung sind“ darin gelandet, das sei auch eine andere Zeit gewesen. Menschlichen Kontakt zu Kay One hat er nach eigener Aussage seitdem nicht mehr gehabt. Bushido hat sich zu den Ghostwriting-Vorwürfen öffentlich nie umfassend geäußert und der Darstellung von Eko Fresh in der Vergangenheit widersprochen; auch von Kay One liegt bislang keine Reaktion auf das Interview vor.