„Die Chinesen haben fliegende E-Scooter – wir haben Ikkimel“ – Zeitung macht Rapperin zum Sinnbild für Deutschland gemacht

Ikkimel

Ikkimel stand am Samstagabend im Sommergarten der IFA auf der Bühne, als einer der Musikacts, mit denen die Berliner Technikmesse ein jüngeres Publikum auf das Gelände holen will. Zwei Tage später taucht ihr Name an einer Stelle auf, mit der sie vermutlich nicht gerechnet hat: in der Überschrift einer Abrechnung mit dem Standort Deutschland.

„Wir haben Ikkimel“

„IFA: Die Chinesen haben fliegende E-Scooter – wir haben Ikkimel, die Geile“, so ist der Zwischenruf von Carola Tunk in der Berliner Zeitung überschrieben. Der Text selbst dreht sich um die Dominanz der chinesischen Aussteller, um Roboter, um Künstliche Intelligenz und um die schlichte Zahl von 931 Ausstellern aus China auf dieser Messe.

Über Ikkimels Musik verliert der Beitrag dabei kaum ein Wort. Sie kommt in der Überschrift vor und unter einem Foto, das sie auf der Bühne zeigt. Schließlich trägt sie keine Schuld an der stagnierenden Wirtschaft in Deutschland und dem Fakt, dass die chinesische Industrie technologisch aufgeholt hat. Genau darin liegt aber die Pointe der Sache: Ihr Name funktioniert inzwischen als Kürzel, das keine weitere Erklärung mehr braucht, wenn jemand illustrieren will, was Deutschland im Vergleich noch zu bieten hat.

Projektionsfläche für Deutschland

Für Ikkimel ist diese Rolle nicht neu, wohl aber die Herkunft des Seitenhiebs. Bislang kam der Gegenwind aus der Szene selbst, etwa von Manuellsen, der sich mehrfach an ihr abgearbeitet hat. Diesmal kommt er aus dem Feuilleton einer Berliner Tageszeitung, und er richtet sich nicht gegen ihre Texte, sondern gegen das, wofür ihr Name stehen soll.

Wie schnell sie in solche Debatten gerät, hatte sich schon nach ihrem Auftritt im ZDF-Morgenmagazin gezeigt, als sie mit dem Sender abrechnete. Auch damals ging es weniger um die Musik als um die Frage, was man in diesem Land öffentlich zeigen darf und wer sich daran stört.

Der Zwischenruf erscheint an dem Tag, an dem Ikkimel ihre bislang größte eigene Show ankündigt: Am 12. Juni 2027 spielt sie in der Parkbühne Wuhlheide vor rund 17.000 Leuten. Während eine Tageszeitung ihren Namen als Beleg für den Abstieg verwendet, füllt sie die größten Freilichtbühnen der Stadt. Eine Reaktion von Ikkimel auf den Text gibt es bislang nicht.

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Berliner-Zeitung