Nach BSW und Linke – AfD hat jetzt Verbindungen zum Abou-Chaker-Clan

In den vergangenen Tagen wurde deutschlandweit über den Clan-Bezug der Links-Partei diskutiert. Issa Remmo war auf der Wahlparty der Berliner Linken zu Gast und Die Linke-Politiker Ferat Kocak stand im Kontakt mit einem anderen Mitglied derselben Großfamilie. Arafat Abou-Chaker rief zudem zur Wahl der BSW auf. Nun kommt heraus, dass auch eine andere Partei Verbindungen zum kriminellen Clan-Milieu hat…

Abou-Chaker-Helfer bei AfD-Wahlparty

Am 6. September feierte die AfD ihren Wahlsieg in Sachsen-Anhalt im Alten Theater in Magdeburg. Nach Angaben der Partei nahmen rund 330 geladene Gäste an der Veranstaltung teil. Unter ihnen war auch der Geschäftsmann Steffen Fräbel, dessen Name in einem früheren Strafverfahren gemeinsam mit Mohamad und Rabih Abou-Chaker (Titelbild r.) auftauchte.

In dem Verfahren warf die Staatsanwaltschaft den Beteiligten vor, ein Wohnhaus mit fingierten Kaufunterlagen auf eine GmbH übertragen und anschließend weiterverkauft zu haben. Während die beiden Abou-Chaker-Brüder zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden, wurde das Verfahren gegen Fräbel aufgrund seines Gesundheitszustands vorläufig eingestellt. Fräbel bestreitet die Vorwürfe.

Die AfD-Landesspitze erklärte nach eigener Darstellung, Fräbel sei ihr vor der Veranstaltung nicht bekannt gewesen. Zugleich betonte die Partei, alle Gäste seien im Vorfeld auf ihre Zuverlässigkeit geprüft worden.

BSW, Linke, AfD und Clan-Milieu

Die Überschneidungen zwischen Politik und Clan-Milieu beschränken sich nicht auf diesen Fall. Am Wahltag rief Arafat Abou-Chaker öffentlich zur Wahl des BSW auf. Auch aus dem Umfeld der Linken gab es Schlagzeilen: Issa Remmo besuchte die Wahlparty der Links-Partei, und der Linken-Politiker Ferat Kocak legte sein Mandat vorübergehend ruhend, nachdem ein Chat mit einer weiteren Person aus dem Remmo-Clan öffentlich wurde.

Fräbel argumentiert, Geschäftsbeziehungen im Immobiliensektor ließen keinen pauschalen Rückschluss auf kriminelle Strukturen zu. Dass er Geschäfte mit verurteilten Clan-Mitgliedern gemacht hat, ist jedoch unstrittig. Auch, dass er ein nicht unwesentlicher Teil des damaligen Abou-Chaker-Verfahrens gewesen ist.

Für die AfD bleibt der Vorgang sensibel, vor allem aufgrund ihrer für sich selbst propagierten politischen Haltung und der strikten Abgrenzung von Familienclans und kriminellen Netzwerken. Die Partei gab an, Prüfmechanismen bei Einladungen einzusetzen. Dennoch ist ein Foto des mutmaßlichen Abou-Chaker-Handlangers mit dem Spitzenkandidaten der rechtspopulistischen Partei, Ulrich Siegmund, entstanden.

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Tagesspiegel