„Bei uns hieß es 60/40“ – Fler soll laut Ex-Hells Angel für Rücken gezahlt haben

„Ich habe ja nie Verträge gesehen“

SPIEGEL TV hat den dritten Teil seiner Reihe „Im Verhör“ veröffentlicht. In „Rappers Rendite – Was kostet der Schutz der Clans?“ sprechen Moderatorin Christina Pohl, Spiegel-TV-Reporter Thomas Heise und der ehemalige Hells Angel Kassra Zargaran erneut über den sogenannten Rücken im Deutschrap. Im Mittelpunkt stehen diesmal Massiv und Bushido. Gegen Ende der Folge kommt die Runde allerdings noch einmal auf Fler zu sprechen. Auf YouTube hat das Video nach wenigen Stunden bereits über 280.000 Aufrufe.

Gefragt nach Beispielen aus seiner eigenen Zeit bei den Rockern, nennt Zargaran eine konkrete Zahl. Schriftliche Abmachungen habe es dabei nie gegeben: „Na ja, ich habe ja nie Verträge gesehen“. Stattdessen habe bei den Hells Angels eine simple Regel gegolten. Von dem, was Fler verdiente, seien 60 Prozent an die Rocker gegangen, 40 Prozent habe der Rapper behalten dürfen.

Zargaran rechnet in der Folge auch vor, wie sich das zusammensetze. Ein neuer Künstler bekomme beim Label anfangs oft nur rund zehn Prozent, der Rest bleibe bei der Plattenfirma. Von diesem Künstleranteil hätten die Rocker dann noch einmal 60 Prozent verlangt. Den Vertrag mit dem Label bezeichnet er als echtes Geschäft. Das Geld für den Rücken sei dagegen eine Summe gewesen, die man abdrücke, weil man cool sein wolle.

Fler hatte die Vorwürfe bereits zurückgewiesen

Ganz neu sind die Vorwürfe nicht. Schon in der ersten Folge hatte Zargaran behauptet, Fler habe unter dem Schutz der Hells Angels gestanden und am Ende Berlinverbot bekommen. Der Rapper habe „Geld abdrücken müssen“, sei aber „immer anständig behandelt“ worden. Wie viel genau, hatte Zargaran damals offengelassen.

Fler selbst hatte sich kurz darauf mit einem ausführlichen Statement gewehrt und die Glaubwürdigkeit des Ex-Rockers infrage gestellt: „Wenn ich Schutzgeld an die Hells Angels … … gezahlt habe, warum habe ich dann Stress mit den Hells Angels? Macht das Sinn?“ Einzelne Schilderungen bezeichnete er als „wieder nur Hörensagen“. Ob Fler auch auf die neue Zahl reagiert, ist offen.

Die Reihe sorgt seit Wochen für Gesprächsstoff in der Szene. In den ersten beiden Teilen ging es unter anderem um ein angebliches Hamburg-Verbot für Bonez MC und um die Polizeiakte von Capital Bra. In Teil drei stehen nun Massiv und sein damaliger Rücken Ashraf Remmo im Fokus, außerdem Bushidos Zeit an der Seite von Arafat Abou-Chaker. Zargaran kündigt am Ende der Folge außerdem ein neues Buch an, das am 17. November erscheinen soll.