„Vielleicht müsste ich mir helfen lassen“ - Manuellsen denkt über psychologische Hilfe nach

Mit vier Monaten abgegeben

Manuellsen ist im Netz vor allem als jemand bekannt, der schnell laut wird. Im Podcast von Tim Gabel hat er sich über drei Stunden Zeit genommen, um zu erklären, woher das kommt - und beginnt dafür ganz vorne, bei seiner Kindheit im Ruhrgebiet.

Geboren wurde er 1979 in Berlin. Seine leibliche Mutter gab ihn als Baby tagsüber bei einer Pflegefamilie ab. Eines Tages kam sie nicht mehr zurück. Er war zu diesem Zeitpunkt vier Monate alt. Die Pflegefamilie behielt ihn, aus der Pflege wurde nach neun Jahren eine offizielle Adoption. Über seine Adoptiveltern spricht er im Podcast ausschließlich positiv.

Schwierig war das Umfeld. Anfang der Achtziger war eine deutsche Frau mit einem schwarzen Kind im Kinderwagen eine Provokation, wie er es beschreibt. Ein Erlebnis ist ihm besonders geblieben: Vor einer Klassenfahrt sammelten Eltern an seiner Schule Unterschriften, damit er nicht mitfahren durfte. Die Aktion war erfolgreich - er blieb zu Hause und hatte eine Woche schulfrei.

„Der hat da drinnen im Dschungel gelernt“

Auch der Sport war kein Schutzraum. Manuellsen spielte als Jugendlicher Fußball und nennt den Sport heute eine der rassistischsten Blasen überhaupt. Beim Duschen habe niemand neben ihm stehen wollen, Mitspieler hätten sein Handtuch kontrolliert, um zu sehen, ob er abfärbt.

An eine Szene erinnert er sich bis heute wörtlich. Er war 14 oder 15, als ein gegnerischer Trainer seinem Verteidiger eine Anweisung gab - zwei Meter von ihm entfernt und laut genug, dass er es hören konnte: „Pass auf den auf, der hat da drinnen im Dschungel gelernt.“ Heute, sagt er, würde er dafür ein riesiges Fass aufmachen. Damals ließ er es über sich ergehen.

Der Wendepunkt kam mit 16, 17 - körperlich, aber vor allem durch Musik. Über Tupac, den er weniger als Musiker und mehr als Revolutionär beschreibt, sei ihm klar geworden, dass er sich nichts gefallen lassen muss. Von da an habe es nur noch eine Richtung gegeben: Wer etwas sagt, bekommt eine Antwort.

„Dafür bin ich mir zu stolz“

Diese Haltung erklärt für ihn auch, warum bestimmte Provokationen bei ihm bis heute sofort zünden. Am häufigsten werde er über seine Hautfarbe und seine Religion angegriffen - er ist schiitischer Muslim, was er selbst als seltene Kombination bezeichnet.

Im Podcast benennt er das ungewöhnlich offen: „Ich habe Traumata, was Rassismus angeht.“ Und er zieht daraus sogar den Schluss, dass er das aufarbeiten müsste - bleibt aber dabei, dass er es nicht tun wird: „Vielleicht müsste ich mir helfen lassen. Aber dafür bin ich mir zu stolz.“ Als Begründung sagt er, er sei ein Mann und trage seinen Rucksack selbst.

Dass er anderen genau das nicht rät, passt zu seinen letzten Wortmeldungen. Erst Anfang Juli hatte er sich mit einer Botschaft an Mobbingopfer gewandt. Für sich selbst sieht er dagegen nur einen Weg, die Sache zu beenden: Er wolle den Score einmal setteln. Wenn er einen von denen erwische, die ihn seit Jahren beleidigen, dann könne er es ablegen.