„Wir sind weltpolitisch zur Lachnummer geworden“ - Omid rechnet mit dem Zustand Deutschlands ab
„Ich bin Deutscher, bis es der letzte akzeptiert hat“
Omid Mouazzen ist den meisten als Luxusautohändler ein Begriff. Im Podcast von Tim Gabel hat er sich jetzt gut 13 Minuten lang zu einem ganz anderen Thema geäußert: dem Zustand Deutschlands. Und er beginnt mit einer Klarstellung in eigener Sache.
Er sei als Migrantenkind nach Deutschland gekommen und jahrelang als Ausländer gesehen worden, sagt er. Trotzdem lässt er keinen Zweifel daran, wie er sich selbst einordnet: „Ich werde so lange sagen, ich bin Deutscher, bis es der Letzte akzeptiert hat.“ Er denke deutsch, arbeite hier, zahle hier seine Steuern und sei dem Land für vieles dankbar. Diese Zugehörigkeit spricht er ausdrücklich auch anderen zu: „Auch Türken sind Deutsche. Wir sind gemeinsam die neuen Deutschen.“
Genau daraus leitet er seine Kritik ab. Sein Urteil über die Entwicklung der letzten Jahre fällt hart aus: „Wir sind weltpolitisch zur Lachnummer geworden.“ Wichtig ist ihm dabei, wer dafür verantwortlich ist - er sieht die Schuld nicht bei Zugewanderten, sondern bei den politischen Entscheidungen: „Das haben wir uns alle selbst zuzuschreiben.“
Rikschas in München und Autos aus China
Wie sich dieser Abstieg für ihn anfühlt, macht er an einem Bild fest, das ihm in München aufgefallen ist: 40- und 50-jährige Männer, die Touristen in Rikschas durch die Stadt fahren. Für ihn ist das ein Symbol - ein Job, den selbst Indien weitgehend hinter sich gelassen habe. „Statt dass wir hier auf Made in Germany setzen, feiern wir das jetzt, dass unsere Männer Rikscha fahren.“
Er stellt klar, dass er den Job nicht kleinreden will. Wenn ein Schüler oder Student sich damit nebenbei etwas dazuverdiene, sei das völlig in Ordnung. Sein Problem sei ein anderes: dass gestandene Männer das machen, während im Land überall Fachkräfte fehlen.
Beim zweiten Beispiel spricht er aus seiner eigenen Branche. „Made in China ist jetzt schon in weiten Teilen das, was Made in Germany mal war“, sagt er und verweist auf chinesische Hersteller, die einen BYD für rund 10.000 Euro auf die Straße bringen. Hängen geblieben ist ihm ein Beitrag von einem deutschen Journalistenteam auf einer chinesischen Automesse: Auf die Frage, ob sie sich ein deutsches Auto kaufen würde, habe eine junge Chinesin gelacht und geantwortet, so etwas hätten vielleicht noch ihre Großeltern gemacht.
„Die Schwächsten, für die Statistik“
Persönlich wird er beim Thema Sicherheit. Omid hat drei Töchter und beschreibt, dass in seinem Umfeld inzwischen jeder mit Kindern Angst habe - Eltern, die ihre Töchter ungern rauslassen, und ebenso Eltern, die ihre Söhne nicht in Clubs lassen wollen. Er selbst habe vor 20 Jahren als Türsteher gearbeitet. Geprügelt worden sei damals auch, sagt er, aber: „Da wurde keiner abgestochen.“ Nach seiner Wahrnehmung nehmen Messerangriffe und S*xualdelikte seit Jahren zu - belastbare Zahlen nennt er dafür nicht. Über Messerverbotszonen in Innenstädten kann er nur den Kopf schütteln: „Abstechen ist auch verboten. Ja, aber nur in der Innenstadt.“
Bei Straftätern wird er deutlich: Wer als Deutscher kriminell werde, gehöre in Deutschland ins Gefängnis - wer als Ausländer kriminell werde, müsse raus. Diese Aussage schränkt er allerdings selbst ein. Gemeint seien ausdrücklich nicht integrierte Türken, Jugoslawen, Iraner, Araber oder Asiaten, sondern Menschen mit laufendem Asylverfahren, die hier straffällig werden.
Seine größte Wut gilt aber der Praxis der Abschiebungen. Er erzählt von einer Bekannten aus Tunesien: legal eingereist, Asylantrag gestellt, Duldung bekommen, Ausbildung zur Krankenpflegerin begonnen, nie straffällig geworden. „Die haben um 4 Uhr morgens bei ihr an der Tür geklingelt. Du wirst jetzt abgeschoben.“ Für ihn zeigt der Fall, wen der Staat tatsächlich abschiebt - nämlich die, bei denen es einfach ist: „Die Schwächsten, für die Statistik.“ Straffällige entzögen sich dagegen mit Anwälten und Tricks. Dass es auch anders geht, zeigte zuletzt der Fall von 18 Karat, dessen Abschiebung nach mehrjähriger Haft gerichtlich bestätigt wurde.
