„Diese Leute sind bewaffnet“ – Hilferuf von Capital Bra an das LKA veröffentlicht

Capital Bra

Im zweiten Teil der SPIEGEL-TV-Reihe „Im Verhör: Gangsterrap und Großfamilien“ geht es um die Ermittlungsakte zu Capital Bra. Ende Oktober 2019 hatte der Rapper Strafanzeige wegen Schutzgelderpressung gestellt, Männer aus dem Umfeld mehrerer Großfamilien sollen Geld von ihm gefordert haben. Ein Dokument aus der Akte sorgt in der Runde um Moderatorin Christina Pohl, Reporter Thomas Heise und Ex-Hells-Angel Kassra Zargaran für besonders viel Gesprächsstoff: eine E-Mail, die Capital Bra selbst an das LKA geschickt hat.

E-Mail an das LKA

Abgeschickt wurde sie am 7. November 2019 um 5:08 Uhr. Darin berichtet der Rapper, dass sich die Bedrohungslage verschärft habe. Die Männer würden immer noch durch Lichterfelde fahren und nach ihm suchen. Dann wird er deutlich: „Ich weiß, sie mögen mich nicht wegen der Bushido Sache oder sonst was, aber hier geht’s wirklich nicht um Rap oder Image.“ Und weiter: „Diese Leute sind bewaffnet und meinen ihre Drohungen ernst.“ Er habe Angst, dass Menschen, die er liebt, oder ihm selbst etwas passiert.

Gleichzeitig bietet er den Ermittlern seine volle Kooperation an: „Ich verberge oder verschweige nichts vor Ihnen.“ Wer etwas wissen wolle, könne einfach fragen. Er sei gerade in Rom und mache sich gleich auf den Weg nach Berlin, „weil verstecken will ich mich auch nicht“. Er bittet darum, auf dem Laufenden gehalten zu werden, und unterschreibt mit „Mit freundlichen Grüßen Vladi“. Wenige Tage später war er laut Akte für die Beamten allerdings nicht mehr erreichbar.

Diss gegen Bushido

Brisant ist die Mail vor allem wegen Bushido. Capital Bra hatte sich Anfang 2019 von Ersguterjunge getrennt, nachdem sein damaliger Labelchef mit der Polizei gegen Arafat Abou-Chaker kooperiert hatte. Im Oktober 2019 machte er daraus sogar einen ganzen Disstrack und rappte über Bushido: „Eine Freiheit, die du als ein Informant nicht hast.“ Nur wenige Wochen später saß er selbst beim LKA.

Kassra Zargaran, der früher selbst bei den Hells Angels war, hört nach eigener Aussage zum ersten Mal von der Mail: „ich finde die E-Mail ist heftig“. Aus seiner alten Gangsterperspektive sei das jemand, der aussagen will und bereit ist, Namen zu nennen. Nach den Regeln, die sich die Szene selbst gegeben habe, dürfte Capital Bra heute „in diesem Deutschrap Gangster Rap Kosmos gar nicht mehr stattfinden“. Einen Vorwurf will Zargaran ihm daraus allerdings nicht machen. Es gehe ihm um die Einordnung, weil sich die Rapper ständig gegenseitig als Verräter abwerten würden, obwohl am Ende keiner besser sei als der andere.

Öffentlich klang Capital Bra im November 2019 ganz anders. Als die ersten Berichte über die Erpressung auftauchten, erklärte er, er stehe nicht unter Polizeischutz, sei weiter alleine unterwegs und brauche keinen Clan. Auch Bushido reagierte damals auf Capital Bras Aussage bei der Polizei. Einen Fragenkatalog von SPIEGEL TV zu den Vorgängen ließ Capital Bra unbeantwortet.